Quellensammlung
11. Jan. 2026
Separating Fact from Fiction: An Empirical Examination of Six Myths About Dissociative Identity Disorder
Dieser Artikel von Brand et al. (2016) widerlegt auf Basis empirischer Daten sechs gängige Mythen über die Dissoziative Identitätsstörung (DIS). Die Autoren belegen, dass DIS keine Modeerscheinung, nicht auf Nordamerika beschränkt und keine seltene Störung ist (Prävalenz ca. 1,1–1,5 %). Zudem bestätigt die Forschung das Trauma-Modell gegenüber dem iatrogenen Modell (Fantasie-Modell). DIS lässt sich klar von der Borderline-Persönlichkeitsstörung abgrenzen, und leitlinienkonforme Behandlung erweist sich als wirksam statt schädlich. Ziel des Papers ist der Abbau von Fehlinformationen, um die oft jahrelange Fehlversorgung von Patienten zu beenden.

11. Jan. 2026
Das verfolgte Selbst
„Das verfolgte Selbst“ ist das internationale Standardwerk zur Theorie der strukturellen Dissoziation. Es verknüpft Pierre Janets historische Theorien mit moderner Neurobiologie, um komplexe Traumafolgestörungen (kPTBS, (p)DIS) fundiert zu erklären.
Zentral ist die Aufteilung in den ANP (Anscheinend Normaler Persönlichkeitsanteil), der den Alltag sichert, und EP (Emotionale Persönlichkeitsanteile), der im Trauma festsitzt. Das Buch liefert ein logisches Modell und einen phasenorientierten Therapieansatz.

4. Nov. 2025
Die Trauma Trinität: Enaktive Traumatherapie
In „Enaktive Traumatherapie“, dem dritten Band der „Trauma-Trinität“, überführt Ellert Nijenhuis seine komplexe Theorie in die klinische Praxis. Er bricht mit der Vorstellung, der Therapeut sei der Experte, der den Patienten „heilt“. Stattdessen beschreibt er die Therapie als kollaborativen Tanz: Patient und Therapeut sind gleichberechtigte Partner, die gemeinsam neue Handlungsmöglichkeiten erforschen.
Der Fokus liegt darauf, die starren Muster von Ignoranz, Fragilität und Kontrolle durch neue, integrierte Erfahrungen im Hier und Jetzt zu überwinden. Es ist ein Plädoyer für eine ethische, zutiefst menschliche Begegnung auf Augenhöhe.

3. Nov. 2025
Die Trauma-Trinität: Traumabedingte Dissoziation Konzept und Fakten
In „Die Trinität des Traumas“ dekonstruiert Ellert Nijenhuis das Verständnis von Trauma und Dissoziation radikal und setzt es neu zusammen. Er integriert Neurobiologie, Evolutionspsychologie und Philosophie zu einem „enaktiven“ Ansatz (der Organismus in Interaktion mit seiner Umwelt).
Der Titel bezieht sich auf die drei prototypischen dissoziative Anteile traumatisierter Menschen: Ignoranz (Verleugnung des Traumas/ANP), Fragilität (Überflutung durch das Trauma/EP) und Kontrolle (Versuch, beides zu managen). Nijenhuis grenzt hier den Begriff der Dissoziation wissenschaftlich scharf von bloßen Bewusstseinsveränderungen ab. Ein theoretisches Schwergewicht, das die Definitionshoheit über den Traumabegriff neu verhandelt.
